Installationen


■ Installationen
■ Gusow 2004
Das Fremde Sehen, Bahnhof Seelow-Gusow, als Gast der Künstlerinnengruppe EndmoräneWo die Wasser rauschen/Projektion, Sound, TapetenLichtschlitze , 4 Bilder/Öl auf Leinwand




■ Bau - Kunst - Zelle 2008
Grisaille: Erinnerungsdenkmal/Rauminstallation (Gemälde/Sound/Grabsteine/welkes Laub)Ehemaliges Gefängnis Luckau/Zellen 216-218Das künstlerische Projekt besteht in einer Verkettung aus dem Ort des Freiheitsentzugs, dem Gefängnis Luckau, und Erinnerungspartikeln an einen verschleppten, gefangenen und ermordeten jungen Mann aus der Spreewaldstadt Lübben. Räume drinnen und draußen öffnen und schließen sich geheimnisvollen und wachrüttelnden Ängsten der Vergangenheit.

■ Flucht 2020
"Sie wußten nicht, ob sie leben oder sterben"
Videoinstallation/Malerei
Kulturkirche Luckau
"Sie wußten nicht, ob sie leben oder sterben" sucht in Malerei und einem Schwarzweiß-Film nach den transhistorischen Ursachen für Vertreibung. Vor dem Hintergrund von Hanna Arendts Essay „Wir Flüchtlinge“ von 1943 und den Feldpostbriefen des Obergefreiten Thier (Nr. 15484) werden in einer Mischung aus Text, Ton und Bildern zwei zeitversetzte und gegenläufige Erfahrungen der „Flucht“ gegenübergestellt. Auf der einen Seite stehen die Erfahrungen einer jungen Frau. Gemeinsam mit ihrer Familie ist sie vor dem seit 2011 in Syrien herrschenden Krieg nach Deutschland geflohen. Ihr gegenüber stehen Eindrücke aus der Feldpost eines Wehrmachtssoldaten. 1933 war er in die NSDAP eingetreten und wurde ab 1944 als Sanitäter an der Ostfront stationiert. Seine Briefe und Photographien sind die Dokumente eines durch eine Rassen-Ideologie vorgeschriebenen Blickes, der in der Entmenschlichung des Anderen Vertreibung rechtfertigt.In der Assemblage aus Feldpost, philosophischem Text, gemalter Photographie und Filmaufnahmen entstehen ästhetische Schnittstellen zwischen den beiden Einzelschicksalen. So wird die Installation zu einer Plattform, die eine unmittelbare Beziehung zwischen der Verachtung der Nationalsozialisten für die im Osten Europas lebenden Menschen als „rassisch unerwünschte“ Bevölkerung und dem Schicksal derer, die durch den Krieg in Syrien ihre Heimat verloren haben, hergestellt. Es entsteht ein ästhetischer Raum, der die zeitlose Frage nach den Ursachen, Motiven und Konsequenzen von Vertreibung stellt: Warum raubt jemand anderen Heimat und Schutz?"Sie wußten nicht, ob sie leben oder sterben" versucht, die ideologischen Vorstellungen, mit denen der Einzelne seine Teilnahme an der gewaltsamen Vertreibung von Millionen von Menschen rechtfertigt, künstlerisch zu sezieren und zum Nachdenken anzuregen.
Dillwyn Thier
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, FU Berlin


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